Der Mythos der Narben

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Die absurde Idee Narbenspuren als ein offensichtliches Zeichen einer unnatürlichen Aggression unter Cetaceen in Menschenobhut zu betrachten, ist weit verbreitet. Im Jahr 2012 hat die Free Morgan Foundation verzweifelt gegen die Entscheidung der niederländischen Behörden Morgan in den Loro Parque zu verlegen, angekämpft. Trotzdem wurde Morgan im Novermber 2011umgesiedelt und der Fall wurde bis 2014 vor Gericht weiterverhandelt, bis der Raad van State (Oberster niederländischer Gerichtshof) entschied, dass der Umzug von Morgan absolut gesetzmäßig war (und der einzige Weg, um die Euthanasie zu verhindern).

Aber von Anfang an, war die Free Morgan Foundation gegen den Transport und hat sturerweise von den niederländischen Behörden ihre Freilassung oder ihre augenblickliche Verlegung in ein Sanktuarium (das 2011 und bis heute überhaupt nicht existiert) gefordert. Das ist auch der Grund, weshalb die Free Morgan Foundation 2011 eine Kampagne gegen den Loro Parque startete. Sie versuchten um jeden Preis nachzuweisen, dass Morgan im Orca Ocean in einer fürchterlichen Situation sei. Nur diesem Ziel folgend hat Ingrid Visser, einen unwissenschaftlichen Bericht1 verfasst, indem sie versuchte, Morgans Martyrium im Loro Parque zu veranschaulichen. Das war das erste Mal, das sie die Narbenspuren als ein offensichtliches Zeichen von Aggression in Gefangenschaft beschrieb und dabei suggerierte, dass wildlebende Killerwale freundliche Riesen seien, die einander niemals beißen. Das war die Geburtsstunde des Mythos.

Diese irreführende Geschichte verfolgte lediglich das Ziel, die Reputation des Loro Parque zu zerstören. Sie basierte auf dem Argument, Morgan sei in Gefahr, was allerdings in keinster Weise wissenschaftlich untermauert ist. Es gibt keine wissenschaftliche Literatur, die Narbenspuren von wilden und gefangenen Cetaceen vergleicht, deshalb gibt es auch keine Möglichkeit festzustellen, ob die Aggression untereinander in menschlicher Obhut verstärkt wird.

Was in der wissenschaftlichen Literatur absolut klar ist, ist dass Narben bei wild lebenden Cetaceen sehr häufig anzutreffen sind. Die erste wissenschaftliche Beschreibung von Narbenspuren bei wilden Killerwalen stammt aus dem Jahr 1978 als die erste Verhaltensanalyse der Art veröffentlicht wurde2. Wer einen Blick auf die Katalogisierung von Orca-Identifizierungs-Fotos wirft, erkennt, dass Narben nahezu bei jedem Exemplar3 4 beschrieben werden. Narben sind bei Cetaceen so gewöhnlich, dass Marley et al., sie sogar nutzte, um die verschiedenen Aggressionsstufen unter wild lebenden Delfinen5 zu identifizieren. In dieser wissenschaftlichen Studie wird bewiesen, dass 60% aller Delfine Narben aufweisen und die übrigen waren in der Regel Jungtiere, die noch nicht in aggressive Verhaltensweisen involviert waren. In der Praxis beweist das, dass nahezu jeder Cetacea Narben aufweist und das kann mit einer leichten Suche in wissenschaftlichen Datenbasen belegt werden. Diese zeigen Untersuchungsbeispiele auf, die Narben nutzen, um die Aggressionen unter wild lebenden Cetaceen zu bschreiben und zu messen 6 7 8 9 10 11 Sie werden von den Forschern sogar als so normal angesehen, dass sie als “natürliche Narben” bezeichnet werden12.

Ironischerweise ist dies nicht etwas, das Ingrid Visse ignoriert hat, als sie den Bericht über den Loro Parque im Jahr 2011 verfasste, denn sie schrieb selbst eine wissenschaftliche Arbeit über die zahlreichen Narbenspuren und geknickten Rückenfinnen bei einigen Orcas, die in Neuseeland13 gefunden wurden. Aber Visser hat nicht eine einzige wissenschaftliche Abhandlung über Narbenspuren an wildlebenden Cetaceen erwähnt, als sie ihren Bericht dem Niederländischen Gerichtshof im Jahr 2012 präsentierte. Tatsächlich hat sie in der Diskussion über die gleichen Narbenspuren, die sie bei Morgan aufführte, völlig vergessen ihre vorherige Forschungsarbeit über häufige Narbenspuren bei Killerwalen in Neuseeland zu erwähnen. Diese Tatsache zeigt eine fehlende Ethik und beweist zweifelsohne, dass manchmal selbst Wissenschaftler ihre eigenen politischen Ziele über ihren wissenschaftlichen Erkenntnisstand stellen.

Das jüngste wissenschaftliche Dokument über Narben 14 weist auf, dass direkte Aggressionen zwischen wilden Killerwalen und ihren eigenen Familienmitgliedern abhängig sind vom Alter, Geschlecht und von den Ökotypen. Die Autoren fanden praktisch bei jedem untersuchten Killerwal im nordöstlichen Pazifik Narben, was demonstriert, dass Narben bei Killerwalen eine natürliche Konsequenz aus sozialen Aggressionen sind. Demzufolge sollte das Vorhandensein von Narben bei Walen in Menschenobhut nicht als Zeichen eines schlechten Zustands gewertet werden, sondern vielmehr als Folge eines natürlichen Sozialverhaltens.

Quelle:
https://www.loroparque.com/pdf/ENG_carta_wk_n1_AF_LETTER_Anti-Captivity_Arguments_Scientifically_Debunked.pdf

[1] Visser, I. (2012) Report on the Physical & Behavioural Status of Morgan, the wild-born orca held in captivity at Loro Parque, Tenerife, Spain. Unpublished
[2] Martinez, D. R., & Klinghammer, E. (1978). A partial ethogram of the killer whale (Orcinus orca L.). Carnivore, 1(3), 13–27.
[3] Killer whales of Prince William Sound and Southeast Alaska A Catalogue of Individuals Photoidentified, 1976-1986. Edited By Graeme Ellis. West Coast Whale Research Foundation. 1040 West Georgia Street, Room 2020. Vancouver, British Columbia.
[4] Killer whales of Southeast Alaska A Catalogue of Photoidentified individuals (1997) Dahlheim, M, Ellifrit D. and Swenson J. Eds. Marine Mammal Laboratory, Alaska Fisheries Science Center, National Marine Fisheries Service NOAA. Day Moon Press, Washington, 90 pp.
[5] Marley, S. A., Cheney, B., & Thompson, P. M. (2013). Using tooth rakes to monitor population and sex differences in aggressive behaviour in bottlenose dolphins (tursiops truncatus). Aquatic Mammals, 39(2), 107–115. https://doi.org/10.1578/AM.39.2.2013.107
[6] Scott, E. M., Mann, J., Watson-Capps, J. J., Sargeant, B. L., & Connor, R. C. (2005). Aggression in bottlenose dolphins: evidence for sexual coercion, male-male competition, and female tolerance through analysis of tooth-rake marks and behaviour. Behaviour142(1), 21-44.
[7] Rowe, L. E., & Dawson, S. M. (2009). Determining the sex of bottlenose dolphins from Doubtful Sound using dorsal fin photographs. Marine Mammal Science, 25(1), 19-34.
[8] Kügler, A., & Orbach, D. N. (2014). Sources of Notch and Scar Patterns on the Dorsal Fins of Dusky Dolphins (Lagenorhynchus obscurus). Aquatic Mammals, 40(3).
[9] Dudzinski, K. M., Gregg, J., Melillo-Sweeting, K., Seay, B., Levengood, A., & Kuczaj II, S. (2012). Tactile contact exchanges between dolphins : self-rubbing versus inter-individual contact in three species from three geographies. International Journal of Comparative Psychology, 25, 21–43.
[10] Robinson, K. P. (2014). Agonistic intraspecific behavior in free-ranging bottlenose dolphins: Calf-directed aggression and infanticidal tendencies by adult males. Marine Mammal Science, 30(1), 381–388. https://doi.org/10.1111/mms.12023
[11] Parsons, K. M., Durban, J. W., & Claridge, D. E. (2003). Male-male aggression renders bottlenose dolphin (Tursiops truncatus) unconscious. Aquatic Mammals, 29(3), 360–362. https://doi.org/10.1578/01675420360736532
[12] Auger‐Méthé, M., & Whitehead, H. (2007). The use of natural markings in studies of long‐finned pilot whales (Globicephala melas). Marine Mammal Science, 23(1), 77-93.
[13] Visser, I. N. (1998). Prolific body scars and collapsing dorsal fins on killer whats (Orcinus orca) in New Zealand waters. Aquatic Mammals, 24, 71-82
[14] Robeck, T. R., St. Leger, J. A., Robeck, H. E., Nilson, E., & Dold, C. (2019). Evidence of Variable Agonistic Behavior in Killer Whales (Orcinus orca) Based on Age, Sex, and Ecotype. Aquatic Mammals, 45(4), 430–446. https://doi.org/10.1578/AM.45.4.2019.430

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