Einfrieren von Sperma im Dienste des Artenschutzes

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Papageienküken aus tiefgefrorenem Sperma zur Arterhaltung – Veterinärmediziner der Justus-Liebig-Universität Gießen publizieren ihre Forschungsergebnisse in Theriogenology

Das Einfrieren von Sperma für eine spätere künstliche Besamung ist in der Nutztierhaltung, aber auch beim Menschen bekanntlich längst Routine. Beim Vogel war dieses Verfahren dagegen bislang nur bei wenigen Arten eingeschränkt möglich. Bei Großpapageien beispielsweise, die in ihrer Art stark bedroht sind, greifen Erhaltungszuchtprogramme oftmals nicht. Einem Team um Prof. Dr. Michael Lierz, Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), ist es in Kooperation mit seinem Kollegen Prof. Dr. Axel Wehrend, Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere der JLU und dem Friedrich-Loeffler-Institut FLI Mariensee, gelungen, den Nymphensittich als Modelltier für den Papagei zu nehmen und ein Verfahren zu entwickeln, dessen Sperma überlebensfähig einzufrieren. Dies könnte einen weiteren Durchbruch im Sinne des Schutzes bedrohter Arten bedeuten, hoffen die Veterinärmediziner. Ihre Erfolge wurden Anfang April 2018 in Theriogenology publiziert.

Problematisch sei es bei Vögeln, zunächst an das Sperma zu gelangen und dann eine geeignete Methode zu finden, um dieses Sperma überlebensfähig einfrieren zu können, erläutert der Vogelexperte Lierz den Hintergrund seiner Forschungen. Genau dieser Herausforderung komme im Hinblick auf den Artenschutz jedoch eine wichtige Bedeutung zu. Denn: „Viele der heute lebenden Papageienarten sind stark bedroht, und aufgrund ihrer streng monogamen Lebensweise sind Nachzuchtprogramme nur eingeschränkt erfolgreich. Viele Eier werden unbefruchtet gelegt werden.“ Die JLU-Arbeitsgruppe um Prof. Lierz etablierte daher bereits im Jahr 2013 ein Verfahren zur Spermagewinnung beim Papagei, um anschließend erfolgreich künstliche Besamungen durchzuführen und Küken hochbedrohter Arten zu züchten.

Problematisch blieb hierbei die Tatsache, dass Papageien nur wenige Eier legen. Zudem standen die Wissenschaftler vor der Herausforderung, dass zum optimalen Besamungszeitpunkt auch passendes Sperma zur Verfügung stehen muss. Bei der geringen Anzahl fortpflanzungsfähiger Tiere einer bedrohten Art ist dies oftmals nicht möglich.

Daher nutzten die Wissenschaftler den Nymphensittich als Modelltier und entwickelten ein Verfahren, das Sperma überlebensfähig einzufrieren. Anschließend wurde dieses Sperma für Besamungsversuche verwendet. Erstmals konnten auf diese Weise Nymphensittichküken gezüchtet werden. „Dies lässt hoffen, in Zukunft auch Sperma hochbedrohter Papageienarten einfrieren zu können und für den Artenschutz zur Verfügung zu stellen“, sagt Prof. Lierz, der eng mit der Loro Parque Fundacion, Teneriffa, zusammenarbeitet. Die Stiftung hat die Forschungsarbeiten maßgeblich praktisch und finanziell unterstützt.

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