Offener Brief des Praesidenten an die BILD Zeitung

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Herrn
Kai Diekmann
Herausgeber BILD
Axel Springer SE
Axel-Springer-Str. 65
10888 Berlin
Deutschland

Puerto de la Cruz, den 9. Juni 2016


Betr.: Orca Morgan und BILD Berichterstattung


Sehr geehrter Herr Diekmann,

im August letzten Jahres lies ich Ihnen, hinsichtlich einer Hetzkampagne gegen den Loro Parque seitens PETA, das komplette Dossier über den tauben Schwertwal Morgan, der 2010 im Wattenmeer gestrandet und von den holländischen Behörden gerettet wurde, zukommen. Sie antworteten mir darauf freundlich, dass Sie unsere Sorge hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit von PETA gut verstehen können, und an unserer Aufrichtigkeit keine Zweifel haben.

Umsomehr bestürzt es mich nun, dass BILD auf den Zug einer neuen Hetzkampagne einiger Tierrechtler offensichtlich aufgesprungen ist, und BILD und BILD.de wirklich nicht ausreichend recherchierte Artikel veröffentlichten.

Wie Sie wissen, habe ich als Deutscher auf Teneriffa den Loro Parque vor über 40 Jahren gegründet und – wenn ich das sagen darf – zu einem weltbekannten und angesehenen Unternehmen ausgebaut. Wir erhielten beispielsweise in den letzten zwei Jahren die höchste Bewertung unserer Gäste bei TripAdvisor. Loro Parque wurde von seinen Besuchern als der beste Zoo Europas und der zweit beste der Welt ausgezeichnet. Wenn bei uns Tierquälerei vorkommen würde, hätten wir kaum jährlich ein- bis anderthalb Millionen Besucher aus aller Welt.

Eine kleine aber sehr laute Gruppe aus der Tierrechtsindustrie versucht seit Jahren, unsere Arbeit mit allen Mitteln in ein schlechtes Licht zu rücken. Zu häufig erleben wir es, dass ihre Slogans von vielen Medien unkritisch weiter verbreitet werden. Das “Drama” des Schwertwals Morgan, wie Sie es in Ihren beiden Artikeln vom 7.6. und 9.6. nennen, ist auf unserer Website www.loroparque ausführlich dokumentiert und erläutert worden. Die Aufzeichnung der Bilder von Morgan entstanden kurz nach Beendigung eines Showprogramms in Orca Ocean. Morgan ”strandete” freiwillig und rutschte freiwillig wieder ins Wasser. Das ist ein Verhalten, wie es bei Orcas, auch in der Natur, durchaus vorkommen kann. Beispielsweise lebt nahe der argentinischen Halbinsel Valdés eine Gruppe von Schwertwalen, die diese Verhaltensweise nutzt, um Jungtiere von Seelöwen im extreme flachen Wasser zu jagen – bzw. zu üben.

Dieses Verhalten von Schwertwalen nutzt der Loro Parque für verschiedene Zwecke sowohl im Showprogramm als auch hinter den Kulissen. Für tiermedizinische Untersuchungen, wie Gewichtskontrolle, Blutentnahme, Ultraschalluntersuchungen, Urinproben, Blaslochproben, Speichelproben, etc. ist dieses Verhalten von äusserster Wichtigkeit.

Weitere Erklärungen zu diesem Verhalten finden Sie zusätzlich auf dem SeaWorld-Link.

Loro Parque ist seit der Aufnahme von Morgan beständig Opfer von schmutzigen Kampagnen unseriöser NGOs geworden. Die Wahrheit ist (leider), dass Morgan ohne menschliche Hilfe längst nicht mehr leben würde. Die Tierrechtler, die ihr Wiederauswildern verlangen, geben aber nicht zu, dass es ihnen lieber ist, dass Morgan elend im Meer verhungert, als dass sie ein sicheres Auskommen in einem Tierpark unter Artgenossen geniesst. Die Anzeige der PETA wegen Tierquälerei wurde von der höchsten spanischen Umweltbehörde SEPRONA , nach einer zweitägigen Inspektion unserer Anlagen, in einem umfangreichen Bericht zurueckgewiesen.

Loro Parque und seine Naturschutzstiftung Loro Parque Fundación engagieren sich weltweit für den Artenschutz nicht nur der Cetaceen, sondern auch Papageien, Grosskatzen und anderen Tieren. Unser Zoo finanziert die Arbeit der Loro Parque Fundación jährlich mit zweieinhalb Millionen Euro, also etwa 10 % der Eintrittsgelder. Etwa eine Million Euro fliessen jährlich unmittelbar in die von der Loro Parque Fundación geförderten Naturschutzprojekte. Die im Loro Parque mit Liebe und Respekt gepflegten Tiere wie Schwertwale und Grosse Tümmler, Haie, Menschenaffen, Pinguine und Papageien sind wichtige Botschafter, mit deren Hilfe der moderne Zoo seine Besucher für den Schutzbedarf dieser Tiere und ihre durch menschliche Nutzung immer mehr geschädigten natürlichen Lebensräume sensibilisiert. (Sehen Sie dazu bitte auch die – im Brief nachgereichte –Broschüre “Der moderne Zoo”). Nur wer Tiere kennt, wird Tiere schützen!

Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass wir es zur Beurteilung von Morgans Verhalten und ihrem Leben im Orca Ocean nicht nur für wünschenswert, sondern für unverzichtbar halten, die von wissenschaftlichen Instituten und Tierschutzexperten gesammelten Erfahrungen zu kennen und zu berücksichtigen.  Bitte gehen Sie ideologisierten, vor allem schlecht informierten und schlicht voreingenommenen Tierrechtlern nicht auf den Leim. Das haben auch Ihre Leser nicht verdient.

Selbstverständlich stehen wir Ihnen und Ihrem Journalisten-Team zur Beantwortung von Rückfragen gerne zur Verfügung. Dies kann telefonisch sein, ich würde es aber auch sehr begrüssen, wenn Sie sich selbst einmal ein Bild von den im Loro Parque gepflegten Tieren und unserem Engagement für deren Schutz und für den Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume machen würden, und möchten Sie hierzu herzlich einladen.

Mit freundlichen Grüssen,

Wolfgang Kiessling

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