Offener Brief zu einem anonymen Brief

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Sehr geehrte Damen und Herrn,

vor Kurzem erhielt ich eine Postkarte von Ihnen, in der Sie darum baten Morgan, einen Orca der sich in unserer Obhut befindet, freizulassen. Dies verwundert mich sehr! Das Thema wird seit Jahren diskutiert und wurde vor einem Jahr vom Obersten Gerichtshof in Holland vollständig geklärt. Dieser Gerichtshof, so wie die Europäische Kommission haben auf eine parlamentarische Anfrage hin bestätigt, dass Morgan keine Überlebenschance in der Freiheit hat und sie deswegen nicht freigelassen werden kann. Darum erstaunt es mich, dass es immer noch Personen gibt, die meinen, dass es möglich ist, sie freizusetzen.

Ich bin mir sicher, dass Sie sich um das Wohlergehen der Tiere Sorgen machen. Wir hier im Loro Parque auch! Bezieht sich der Inhalt Ihrer Postkarte auf Angaben einer Person oder einer Organisation? Gestatten Sie mir bitte einen Moment, um Ihnen zu erklären, dass die Information welche in diesen propagandistischen Kampagnen verbreitet wird, nur versucht Tierparks zu schädigen und auf falschen Angaben bassiert. Ich werde Ihnen erklären, wie es wirklich geschah.

Im Jahr 2010 wurde an der Küste von Holland ein sterbender junger Orca entdeckt. Er wurde Morgan getauft. Als vom Delfinarium Harderwijk die Rettungsaktion organisiert wurde, war er nicht mehr als Haut und Knochen, kurz vor dem Verhungern (50% zu geringes Gewicht, schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen). Er wog nur 430 Kilos, und wurde extrem untergewichtig gefunden. Nach seiner Rettung und nach zahlreichen Anfragen bei sachkundigen Orca-Experten, stellte das Landwirtschaftsministerium von Holland fest, dass der Orca keine Überlebenschancen hätte, würde er zurück in die freie Wildbahn gelassen werden. Außerdem stellte man fest, sollte sich kein angemessener Platz finden, wo er mit anderern Tieren seiner Art leben könnte, müsste er eingeschläfert werden. (eine Auswilderung ist nicht möglich und würde den raschen Tod des Tieres bedeuten.)

Zu diesem Zeitpunkt habe ich zum ersten mal von Morgan gehört, als die holländische Behörde bei mir im Loro Parque angefragt hat, ob wir Morgan mit unseren Orcas unterbringen könnten, um damit seinen Tod zu vermeiden. Ehrlich gesagt, ich hätte mir nie gedacht, das Morgan diese Diskreditierungs-Kampagnen und Kritiken mit sich bringen würde, und auch wenn ich es gewusst hätte, hätte ich die gleiche Entscheidung pro Tier getroffen, so wie ich es immer gemacht habe, egal welches Tier Hilfe benötigt hat.

Aber einige kleinere Organisationen haben diese Gründe nicht in Betracht gezogen und haben Kampagnen gestartet in denen gesagt wurde, das Morgan zurück zu seiner Familie muss, um damit die Emotionen der Tierfreunde zu wecken. Jedoch wird nie erklärt, dass die Familie von Morgan nie gefunden wurde, trotz aller Bemühungen hochrangiger Orca-Experten des Nordatlantiks, und die einzige Gruppe die irgendeine Verbindung mit Morgen haben könnte, wurde nur einmal im Jahr 2005 gesichtet. Auch wird nicht erzählt, das Morgan eine akute Gehörschädigung hat, wie drei verschiedene Experten, wie Dr. Dorian Houser (National Marine Mammal Foundation), Dr. Klaus Lucke (Curtin University) und Dr. James Finnernan (NAVY), bewiesen haben. Dieses Defizit erschwert die Kommunikation und die Nahrungssuche. Deshalb wäre es der sichere Tod, wenn man ihn ins Meer zurücksetzen würde.

Am 23. April 2014, drei Jahre nach der Rettungsaktion, bestätigte die höchste gerichtliche Instanz Hollands, die Rechtmäßigkeit der Übertragung des Orca in den Loro Parque. Es war das fünfte Mal, dass der holländische Gerichtshof die Gültigkeit der Genehmigungen von CITES bestätigte nach kontinuierlichen Appellen und dauernden Angriffen von den Organisationen, die nur daran dachten Morgan freizusetzen, weil sie gegen Tierparks sind und gar nicht über das Wohlergehen der Tiere nachdenken. Nach über zwei Jahren unter unserer Obhut ist Morgan ein wunderschönes Tier, das Tag für Tag wächst, es wiegt jetzt schon mehr als zwei Tonnen und ich kann Ihnen versichern, dass sie in ihrer neuen Familie glücklich ist. Sollten Sie mehr über die Geschichte lesen wollen, dann können Sie dies auf der Webseite www.loroparque.com/morgan tun.

Loro Parque vollzieht ausdrücklich die gesetzlichen Vorschriften der zoologischen Tierparks, und macht dies schon vor dem Erlaß des Gesetzes in Spanien (2003) und sogar bevor der europäischen Richtlinie für Zoos in 1999 in Kraft trat. Die Sache ist, dass keine Gesetze nötig sind, wenn man weiss, dass die Tierparks für die Natur arbeiten sollen. Vielleicht waren wir deswegen auch der erste Zoo der Welt der das Biosphere-Parks-Zertifikat: Animal Embassy, welches von dem Institut Turismo Responsible in Verbindung mit der UNESCO, erhalten hat, sowie die Zertifikate EMAS, ISO 14000 und ISO 9000 welche die Umweltqualität belegen. Durch die Loro Parque Fundación wurden verschiedene Forschungs- und Erhaltungsprojekte in situ auf fünf Kontinenten, entwickelt. Über die letzten 20 Jahre haben wir mehr als 15 Millionen Dollar in über 100 Erhaltungsprogramme von Papageien und Zetazeen investiert. Uns ist damit eine Herunterstufung des Gefährdungsgrades allein bei neun Papageienarten auf der Roten Liste der IUCN gelungen. Dabei wurden allein zwei auf „Austreben bedrohte“ Arten auf „Bedroht“ zurückgestuft, zum einen der Gelbohrsittich aus Kolumbien und zum anderen der Lear-Ara in Brasilien, ein grosser Sieg für den Umweltschutz.

Loro Parque ist auch ein aktives Mitglied der wichtigsten zoologischen Berufsverbände wie AIZA, VDZ, EAZA, WAZA, EAAM, und AMMPA und ausserdem durch die Stiftung, Mitglied der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen). Dies heisst, ein moderner Zoo, engagiert in der Erhaltung und Wohlergehen der Tiere. Nicht ohne Grund sind wir von Trip Advisor, der größten Reisewebseite der Welt, als Bester Zoo Europas und Drittbester der Welt ausgezeichnet worden, ein Preis der die wirklichen Eindrücke unserer Besucher wiederspiegelt.

Unsere Orcas sind allesamt Nachzuchten, zweiter und dritter Generation in menschlicher Obhut gezogen und können nicht in die freie Wildbahn ausgesetzt werden. Sollte jemand meinen dies sei möglich, muss er es zuerst beweisen können. Zwanzig Millionen US Dollar wurden für die Freilassung des Orcas Keiko investiert und er starb nach nur 524 Tagen im Meer. Im Hinblick auf den Umweltschutz stellte dieser erfolglose Versuch, ein einziges Tier wieder in die Natur auszusetzen, das nicht bedroht ist, eine verhältnismäßig ineffektive Methode dar. Überlegen Sie was alles mit dieser großen Menge Geld hätte gemacht werden können? Dennoch sind Tierschützer und Tierschutzorganisationen der Meinung, dass die Freilassung von Keiko ein voller Erfolg war; meiner Ansicht nach war es nur die Opferung eines Tieres.

Morgan wurde höchstwahrscheinlich schon einmal von seiner Familie verlassen. Als sie aufgefunden wurde, war sie zu jung um Jagdtechniken gelernt zu haben, wobei ich die Forderung Morgan freizulassen, ohne Familie und obendrein taub, als ein Todesurteil betrachte.

15 Millionen Dollar, seit 1994 aufzubringen, ist für Loro Parque nicht einfach gewesen, aber wir haben es gerne gemacht und dank dessen war es möglich zwei Papageienarten vor dem Aussterben zu retten und mehr als neun haben sich in ihren Beständen wieder erholt, dank unserer Bemühungen.

Jetzt hätte ich eine Bitte an Sie. Haben Sie irgendwann einmal darüber nachgedacht, warum es Menschen gibt, die grosse Kampagnen fördern, für Arten die nicht gefährdet sind, wie Delfine oder Orcas, beide Arten sind als nicht gefährdete Arten gelistet, und bekannt dank Spielfilmen und TV-Serien oder der Shows in Tierparks. Erstaunlicherweise werden jedoch keine Aktionen vorgenommen, um darauf hinzuweisen, dass über dreihunderttausend kleine Zetazeen, wie Delfine, Tümmler, Schnabelwale, etc. jedes Jahr wegen Fischernetzen, Plastikmüll, Kontaminierung oder Überfischung sterben. Diese Kampagnen übernehmen wir, die modernen Zoos, engagiert für die Erhaltung, wie im Loro Parque wo die Sensibilisierung unserer Besucher über diese und andere Probleme der Ozeane Vorrang hat. Ausserdem finanzieren wir Forschungsprogramme, in denen Systeme entwickelt werden, welche den zufälligen Fang von Zetazeen vermeiden, die Auswirkungen der Umweltverschmutzung auf ihre Gesundheit dokumentieren oder die Effekte der Überfischung auf die gefährdete Lokalpopulation der Orcas in der Straße von Gibraltar belegen.

Unsere Besorgnis um den Schutz der Zetazeen fing Mitte der Achtziger Jahre, gegen die unkontrollierte Jagd der Pottwale in Madeira, an. Der Kampf wurde erfolgreich dadurch gekrönt, dass das Archipel zum Meeresschutzgebiet ernannt wurde. Dies war der Anfang unserer Idee ganz Makaronesien in ein Schutzgebiet der Zetazeen einzubeziehen, da dort 33 verschiedene Arten von Walen und Delfinen vorkommen, die geschützt werden sollten.

Während des Jahrzehntes danach haben wir uns weiterhin darum gekümmert, damit diese Zone als Schutzgebiet deklariert wird. Deswegen entschieden wir, mehrere Forschungs- und Schutzprojekte von Zetazeen der Kanarischen Inseln, zusammen mit Rettungsstationen und renommierten Universitäten, auf unsere Kosten, zu finanzieren. Diese Projekte wurden Pioniere in der Beschreibung der Zetazeen-Arten des Archipels und ist heutiges wissenschaftliches Basiswissen dieses Bereiches.

Heutzutage arbeiten wir nicht nur um die Zetazeen zu schützen, sondern auch für andere der im Meer lebenden Arten, die auch unsere Hilfe benötigen, so wie Meeresschildkröten die um die Kanarischen Inseln herum leben. Jedes Jahr kommen über 200 verletzte Schildkröten in die Tierauffangstationen des Archipels. Dank der Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen, können fast 90% gesund gepflegt und wieder der Natur zurück gegeben werden.

Was haben währenddessen diese Organisationen, die sich anscheinend um das Wohlergehen der Zetazeen kümmern, gemacht? Anstatt gegen die wirklichen Probleme zu kämpfen, wird ein grosser Kraftaufwand in Lügen und Verruf der Zoos, die Delfine oder Orcas beherbergen, investiert, wobei diese sich darum bemühen, dass die Tiere in den besten Konditionen unter unserer Obhut leben können. Fragen Sie doch bitte die Person, die Sie darum gebeten hat diese Postkarte an uns zu schicken, was sie bis heute gemacht hat, um die Wildpopulation der Zetazeen zu beschützen?

Als Präsident des Loro Parque und anhand der tiefen Besorgnis und Liebe für die Tiere, die auch der Fall Morgan geweckt hat, und trotz dieser Aktion, wünsche ich, dass dieser Impuls pro Schutz der Tierarten, die tatsächlich bedroht sind und die die aufrichtige Unterstützung aller benötigen, wirkt.

Mit freundlichen Grüssen
Wolfgang Kiessling
Präsident Loro Parque

8 Respuestas to “Offener Brief zu einem anonymen Brief”

  1. Thomas Says:

    Da kann man nur Danke sagen, für einen tollen, aufklärenden Betrag!

    LG Thomas

  2. Katja Says:

    Machte weiter mit Euer Arbeit. Sie ist einfach klasse, es ist immer wieder schön den Park zu besuchen und eure Arbeit zu sehen in der soviel Aufopferung und liebe steckt. Weiter so!

  3. Gerhard Wolff Says:

    Lieber Herr Kissling
    ich finde die Arbeit die der Loropark macht bewundernswert. Ich War schon mehrfach in ihrem Park und weiss von.den Zielen die sie anstreben. Ohne diese Arbeit die sie leisten, wäre schon manch eine Papageienart ausgestorben. Ich finde es toll.

    Natürlich wird es immer welche geben die was zu

  4. Peter Gärtner Says:

    Sehr geehrter Herr Kiessling
    Zu erst einmal vielen Dank für diesen offenen Brief. Sie sprechen genau die Probleme unserer Zeit an. Seit dem wir Menschen aktiv in natürliche Prozesse eingreifen sind wir gezwungen mit Kompromissen zu leben. Ich bin ein absoluter Zoo Befürworter und mich regt diese öffentliche Hasstiraden der Zoo Gegner nur noch auf. Aber leider sind es die Medien und auch die Politik die diese Minderheit von zum teil wirklich unqualifizierten Menschen fördert und auch noch stützt. Ich habe die seltensten Tiere gezüchtet ( Spix ) und viele andere, habe internationale Zoo Tiertransporte gemacht, war vor Ort wo Hilfe zur Selbsthilfe nötig ist, ich weiß wovon ich spräche. Auch wenn ich nicht mit allen Haltungsbedingungen in Zoos und auch im Loro Park zu 100 % einverstanden bin so leben die meisten Wildtiere in Menschenhand behüteter als in der Freiheit. Menschenaffen und Wale und Delfine bereiten mir auch in der Zootierhaltung einige Kopfschmerzen, weil wir auch einfach nicht genug über sie Wissen aber wo soll das Wissen herkommen? Walfänger und Buschfleischjäger werden dazu wenig beitragen. Also lassen sie sich nicht beirren auf Ihrem Weg und vielleicht kreuzen sich unsere ja irgendwann.
    Mit den besten Grüßen
    Peter Gärtner

  5. Kronseder Peter Says:

    Bei den Shows der Delfine und Orcas erkennt man auch, daß es den Tieren Spaß macht.
    Gleichzeitig können Fachleute in den Zoos Erfahrungen sammeln und mit diesen den Tieren in der freien Natur helfen.

  6. Günter Says:

    Wie überall gibt es “Miesepeter” wir waren,
    auch mit unseren Kindern immer wieder gerne im Loro Parque.
    Nach unserem Verständnis werden die Tiere, so gut es geht, dort gut gehalten.
    Weiter so.
    Danke Günter + Familie

  7. Angelika Says:

    Sehr geehrter Herr Kiessling,
    ich bin ein Zoo-Gegner, einfach aus dem Grunde, dass ich denke, daß Tiere, die in freier Wildbahn leben sollten und könnten, nicht hinter Gitter gehören. Auch und schon gar nicht für Futter Tricks aufzuführen.
    Ihren Brief finde ich jedoch sehr aufschlußreich, da mir die Geschichte hinter Morgan gar nicht bekannt war. Ich bin bei den Protesten ein Unterschreiber der Petitionen gewesen, Tiere wie Morgan freizulassen. Jetzt, da ich um ihre Geschichte weiß und was es bedeuten würde sie freizulassen, kann ich Ihre Haltung verstehen. Das heißt nicht, dass ich finde, dass die Becken, in denen diese Tiere gehalten werden, ausreichend groß sind.
    Aber ich sehe, dass Sie sich bemühen Aufklärungsarbeit zu leisten und auch, dass Sie für Ihre Tiere sorgen.
    Ich bedanke mich also an dieser Stelle für die offene Stellungnahme und sehe Morgan und ihre Geschichte nun mit anderen Augen.
    Herzlichen Gruß.

  8. Andreas Says:

    Sehr geehrter Herr Kiesling,
    die Bemühungen um Morgan sind schon außergewöhnlich – trotzdem
    darf es nicht zur Rechtfertigung werden andere Tiere der Natur zu entnehmen.Auch wenn es den Walen anscheinend gut geht – geht es
    sicherlich auch noch besser ,z.B mit einem noch größerem Becken,
    dieses ist nun leider mit sechs Tieren an seine Grenzen gekommen.
    Auch eine gewollte Nachzucht sollte unter diesen Umständen vermieden werden.Das auch Positives erreicht wurde ist unbestritten, jedoch muss für die Zukunft gelernt werden und
    dieses auch an alle beteiligten weitergegeben werden, also auch in die USA !
    Viele erfolg für eine bessere Welt !

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